Ein Roboter arbeitet am Computer, eine Frau steht dahinter und gibt Anweisungen. Aufschrift: Was Du bedenken solltest, bevor Du Deine Website mit Claude erstellst

Es gibt einen neuen „Trend“ in der Online-Business-Szene: Websites, die komplett mit Claude erstellt sind – ganz ohne WordPress oder ein anderes CMS im Hintergrund.

Ich wurde inzwischen schon mehrfach danach gefragt, was ich davon halte. Und ehrlich, anfangs hat mich diese Frage etwas überfordert. Ich persönlich habe noch keine Website komplett mit Claude erstellt (und ehrlich gesagt auch nicht das Bedürfnis danach), daher fühlt es sich so an, als könnte ich das nicht wirklich beurteilen.

Nichtsdestotrotz habe ich mich in den letzten Wochen recht intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, mir diverse KI-generierte Websites (im Front- und Backend) angeschaut und mich auch mit Webdesigner:innen und anderen Personen “vom Fach” dazu ausgetauscht.

Lass uns das doch mal anschauen: Sind KI-generierte Websites wirklich so viel besser? Oder gibt es vielleicht doch einen Haken?

i 3 Inhaltsverzeichnis

5 Vorteile von KI-generierten Websites (und warum das vielleicht gar keine Vorteile sind)

Es wird – wie gefühlt immer, wenn es um das Thema KI geht – das Blaue vom Himmel versprochen: Die Seiten wären schneller, optimierter, einfacher zu erstellen und sie machen Dich endlich unabhängig von WordPress und seinen dauernden Updates.

Aber ist das wirklich so?

1. Es geht schneller, Websites mit KI zu erstellen

Ich verstehe den Gedanken: Du gibst einen Prompt ein und *plopp* heraus kommt die perfekte Website. Eine Arbeit, für die Du sonst Tage oder Wochen gebraucht hättest, abgekürzt auf ein paar Sekunden.

Und tatsächlich scheint das auch im ersten Moment so zu sein – zumindest wenn ich den Menschen Glauben schenken darf, die das selbst schon ausprobiert haben. Auf den ersten Blick sieht das Ergebnis super aus und möglicherweise sogar besser als das, was Du bisher (im Kopf) hattest.

Warum Du hier aufpassen solltest

Je nachdem, wie ausführlich Dein Prompt war und ob Du eigene Textvorlagen mitgegeben hast oder nicht, kann das Ergebnis natürlich variieren – aber viele der KI-gestalteten Websites, die ich kenne, sind sich sowohl gestalterisch als auch inhaltlich überraschend ähnlich.

Fast alle davon haben zum Beispiel zweifarbige, kursive Überschriften, die über zwei Zeilen gehen (und nicht besonders viel aussagen). Diese Beispiele sind zum Beispiel von zwei verschiedenen KI-generierten Websites:

Was Du bedenken solltest, bevor Du Deine Website mit Claude (oder einem anderen LLM) erstellst 1
Was Du bedenken solltest, bevor Du Deine Website mit Claude (oder einem anderen LLM) erstellst 2

Oft wird auch die Schriftgröße der Seite im Verlauf immer kleiner. Das führt dazu, dass es auf sehr vielen KI-generierte Seiten mindestens einen Abschnitt gibt, der von der Schriftgröße her so klein ist, dass es grenzwertig schwer zu lesen ist (bevorzugt in dreispaltigen Kästen, wie in diesen Beispielen):

Was Du bedenken solltest, bevor Du Deine Website mit Claude (oder einem anderen LLM) erstellst 3
Was Du bedenken solltest, bevor Du Deine Website mit Claude (oder einem anderen LLM) erstellst 4

Inhaltlich bleiben wir bei den bekannten Floskeln (“Ich zeige dir, wie Du Dein Business aufs nächste Level bringst”, “Werde endlich ruhiger und gelassener”, …) ohne auf eine spezifische Zielgruppe und deren Bedürfnisse und Wünsche einzugehen.

Du bekommst eine Website von der Stange, die zwar gut aussieht und sich gut liest, am Ende aber niemanden so wirklich vom Hocker haut.

Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, mit KI eine gute Website zu erstellen. Aber wenn Du das willst, geht das nicht mehr ganz so schnell, wie Du Dir das vielleicht vorstellst.

Denn auch wenn das initiale Prompten oft vergleichsweise fix geht: Interessant wird es dann, wenn Du Anpassungen vornehmen möchtest – so dass dann immer noch alles gut aussieht und funktioniert. Das ist der Teil, der wirklich Zeit frisst und am Ende haben gute(!) KI-erstellte Websites oft genauso lang oder länger gebraucht, um fertig zu werden, als auf dem herkömmlichen Weg.

2. Es ist einfacher, Websites mit KI zu erstellen

Im Grunde das gleiche Argument wie beim ersten Punkt, nur anders verpackt. Kurz einen Prompt zu formulieren klingt erstmal deutlich einfacher, als Dich mit WordPress, Plugins, Themes und wer weiß was noch alles zu beschäftigen.

Du kannst bei dem bleiben, was Du kennst, und die KI macht den Rest.

Warum Du hier aufpassen solltest

Auch wenn es sich oft so anfühlt, ist die KI kein allwissendes Tool, was immer von allein an alles denkt. Im Gegenteil: LLMs (die Technologie hinter Claude, ChatGPT und Co.) haben keine Ahnung, was genau sie da eigentlich produzieren, die Ausgabe basiert rein auf errechneten(!) Wahrscheinlichkeiten.

Bei der Erstellung einer Website gibt es unendlich viel zu beachten. Im besten Fall sollte eine Website responsive, schnell, (rechts-)sicher, barrierefrei, einladend, gut strukturiert, suchmaschinen- und KI-optimiert und noch vieles mehr sein.

Wenn Du Glück hast, deckt Deine KI-generierte Website zumindest einige dieser Punkte von allein ab, aber sicher nicht alle. Wenn Du Dich zu 100% auf die KI verlässt, kann das ganz schnell nach hinten losgehen.

Du solltest Dich zumindest so weit mit der Materie beschäftigt haben, dass Du weißt, worauf es ankommt und das generierte Ergebnis entsprechend überprüfen und anpassen kannst.

Übrigens: Worauf Du diesbezüglich speziell im Bereich SEO achten solltest, zeigen wir Dir in unserem Guide „SEO mit KI“ für 0 €:

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3. KI-generierte Websites haben bessere Ladezeiten (und sind deshalb besser für SEO)

Ein CMS wie WordPress ist komplex und damit alles funktioniert, wie es soll, müssen im Hintergrund jede Menge Datenbankabfragen gemacht und Dateien und Skripte geladen werden. Das braucht Zeit und Leistung.

Eine KI-generierte Website im Vergleich besteht oft wirklich nur aus einigen wenigen Dateien – die Skripte sind direkt integriert und eine Datenbank im Hintergrund gibt es nicht. Dadurch lädt die Seite tendenziell schneller.

Und eine Seite, die schneller lädt, rankt auch automatisch besser bei Google und Co, richtig?

Warum Du hier aufpassen solltest

Erstmal lässt sich die Ladegeschwindigkeit nicht nur an der Komplexität eines Systems festmachen, sondern z. B. auch daran, wie gut Dein Hosting ist oder ob und wie viele Bilder und Videos Du eingebunden hast und wie groß diese sind.

Auch wenn KI-Websites in der Theorie schneller sein sollten, sind sie das in der Praxis gar nicht immer.

Ich wiederhole mich: Solange Du nicht weißt, worauf Du achten musst, (in diesem Fall um die Ladegeschwindigkeit gering zu halten), wird es Dir nicht viel bringen, einfach auf die KI zu vertrauen.

Und was den SEO-Aspekt angeht, ist auch das nicht ganz richtig. Eine gute SEO basiert zum allergrößten Teil darauf, dass Deine Inhalte die Suchintention der Google-Nutzer:innen erfüllen. Erst dann bringt die Ladegeschwindigkeit wirklich einen Vorteil.

Und zweitens gibt es abgesehen davon noch einige weitere SEO-Einstellungen (z. B. Sitemap, Metadaten, strukturierte Daten, …), die teils wichtiger sind als die Ladegeschwindigkeit.

Auch das ist nichts, woran die KI von alleine denkt, d. h. solange Du das beim Prompten nicht ausdrücklich berücksichtigst (und das Ergebnis überprüfst), werden diese Elemente auf Deiner Website fehlen.

4. Du wirst endlich unabhängig von einem CMS

Grundsätzlich ist das richtig, ja. Wenn Du Deine Website komplett mit KI erstellst, brauchst Du kein WordPress (oder ein anderes Content Management System) mehr.

Kein verwirrendes Dashboard, keine Themes und Plugins, keine gestalterischen Begrenzungen mehr. Traumhaft, oder?

Warum Du hier aufpassen solltest

Zunächst mal finde ich es falsch, davon zu sprechen, dass die KI-Tools Dich UNABHÄNGIG machen. Unabhängig von WordPress, ja.

Aber Claude generiert Dir Deine Website als Code. Ob das jetzt wirklich so viel einfacher zu verstehen ist als ein WordPress-Dashboard, bin ich mir nicht sicher.

Im besten Fall verstehst Du diesen Code zumindest so weit, dass Du die Inhalte selbst ändern/anpassen kannst, ohne jedes Mal Claude um Hilfe zu bitten.

Aber auch dann wird vermutlich irgendwann der Punkt kommen, an dem irgendetwas nicht funktioniert, neue Funktionen gebraucht werden etc. und das geht dann – wenn überhaupt – nur mit Claude oder mit Hilfe von professionellen Entwickler:innen (und die sind deutlich schwieriger zu finden und auch teurer als WordPress-Expert:innen).

Unabhängig klingt das für mich nicht wirklich.

5. Du brauchst nicht ständig Updates machen

Auch das ist faktisch betrachtet erstmal richtig. Während WordPress bzw. die Plugins und Themes dort gefühlt alle zwei Tage neue Updates wollen, brauchst Du Dich um Deine KI-Website gar nicht weiter zu kümmern.

Die bleibt einfach so, wie sie ist, ohne Dir ständig auf die Nerven zu gehen.

Warum Du hier aufpassen solltest

WordPress (und auch andere CMS) wird inzwischen seit Jahrzehnten von unzähligen Enwickler:innen erprobt, getestet, weiterentwickelt etc. und hat sich in der Praxis millionenfach bewährt.

Updates in WordPress dienen unter anderem dazu, wichtige Sicherheitslücken zu schließen.

Und Sicherheitslücken gibt es immer. Überall. Besonders in KI-generiertem Code. Tatsächlich gibt es diverse Studien, die die Codequalität von KI untersuchen und die Ergebnisse sind ernüchternd: Nur 55 % des generiertes Codes bestand Basis-Sicherheitstests und 45 % enthielt bekannte(!) Sicherheitslücken (das ist besonders problematisch, weil die leichter ausgenutzt werden können).

Ein schlecht gecodetes Kontaktformular reicht aus, um Angreifer:innen Zugang zu Deinem Webspace zu geben, wo sie dann “in Deinem Namen” alles tun können, was ihnen beliebt.

Und während es in WordPress ein Update gibt, sobald eine Sicherheitslücke bekannt wird, bleibt Deine KI-generierte Website einfach so wie sie ist – fehlerhaft und angreifbar.

Die Alternative: KI in Verbindung mit WordPress

Vermutlich hast Du es beim Lesen schon gemerkt: So wirklich überzeugt bin ich nicht von der Idee, Websites ausschließlich mit KI zu erstellen.

Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, eine gute Website mit Claude und Co zu generieren, aber das braucht ähnlich viel Arbeit und Fachwissen wie eine menschlich erstellte Website.

Jetzt gehöre ich natürlich aber zu den Menschen, die sich in WordPress sehr leicht zurechtfinden und denen es tatsächlich Spaß macht, dort neue Seiten zu erstellen und zu designen. Ich weiß, dass das nicht jedem so geht und dass viele Menschen damit kämpfen, ihre WordPress-Website nach ihren Wünschen zu gestalten.

Wenn Du auch zu diesen Menschen gehörst, ist das mein Vorschlag: Lass die KI Dir dabei helfen, Deine WordPress-Website zu gestalten.

So bekommst Du das Beste aus beiden Welten. WordPress (+ ausgewählte Plugins) kümmern sich um diese ganzen vielen Aspekte im Hintergrund, die eine Website nunmal braucht, um vernünftig zu funktionieren (von Analysen über Cookies bis hin zu SEO/GEO und Sicherheitsupdates). Und mit Claude/ChatGPT und Co. erstellst Du das Design (als HTML-Code, den Du einfach in Dein WordPress kopieren kannst).

Vielleicht kennst Du Judith Peters? Sie hat das so gemacht und in diesem Blogartikel beschrieben, wie sie dabei vorgegangen ist. Ihren Empfehlungen und ihrem Vorgehen kann ich mich dabei zu 100 % anschließen.

Fazit: Es muss nicht “entweder oder” sein

Die Möglichkeit, Websites mit KI zu erstellen, ist super interessant, aber – sofern Du nicht auch ohne KI in der Lage wärst, Deine Website zu programmieren – würde ich Dir stark davon abraten, Dein Business davon zu 100% abhängig zu machen.

Die Möglichkeit, WordPress und KI-generierte Inhalte zu kombinieren, finde ich im Gegenzug ziemlich smart. Aber auch hier solltest Du Dich vorher damit beschäftigt haben, was eine gute Website ausmacht, wie sie aufgebaut sein sollte und wie Du Deine Wunschkund:innen am besten ansprichst. Das ist einfach etwas, was die KI Dir nicht abnehmen kann. Punkt.

Wie so oft ist KI hier nicht die sehnlich erwünschte Abkürzung, die Dir alle Arbeit abnimmt, sondern maximal ein Tool, was Dir helfen kann, Deine Website nach Deinen Vorstellungen zu gestalten.

Verrate mir gerne: Was sind Deine Gedanken zum Thema? Welche Vorteile und Risiken siehst du? Hast Du schon probiert, eine Website mit Claude (oder einem anderen KI-Tool) zu erstellen?

Sarah Osenberg

Sarah Osenberg

ist im Team Jane für alles rund um die Technik verantwortlich: von der Fehlerbehebung in WordPress, der Verknüpfung der Website mit anderen Tools und Plattformen bis hin zur Erstellung von E-Mail-Automationen. Ihre Mission ist es, Technik-Themen so verständlich zu erklären, dass auch Anfänger:innen sie meistern können.

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