Wie schaffe ich es, mit meinem Business in KI-Systemen gefunden zu werden? Das ist für viele Selbstständige die bestimmende Frage der letzten Monate gewesen. Google gibt in seinem “AI Optimization Guide” eine eindeutige Antwort: Vor allem braucht es wertvollen, einzigartigen “non-commodity” Content – also Inhalte, die für die Menschen wirklich hilfreich sind und die es so nicht schon zwölfmal an jeder Ecke gibt.
Diese Empfehlung ist streng genommen nicht neu (Google hat sie schon lange vor dem KI-Hype in seinen SEO-Richtlinien kommuniziert), wird aber jetzt noch mal besonders betont.
So kommt es, dass ich in den letzten Wochen mehrfach von verschiedenen Seiten die Empfehlung gesehen habe, alle mögen doch jetzt Umfragen machen und die Ergebnisse veröffentlichen. Damit würden sie dann sichtbar werden.
Diesen Ansatz finde ich problematisch. Warum erkläre ich Dir in diesem Beitrag – und natürlich zeige ich auch alternative Wege, non-commodity Content zu schaffen.
Das Wichtigste über non-commodity Content in Kürze
- Klassische Suchmaschinen und auch KI-Suchen schätzen non-commodity Content sehr: also einzigartige Inhalte, die es so vorher noch nicht im Internet gegeben hat.
- Durch Umfragen neue Daten zu gewinnen, kann nach hinten losgehen, weil oft wissenschaftliche Standards und die nötige Reichweite fehlen. Wir laufen Gefahr, das Wissen im Internet mit wenig aussagekräftigen Zahlen zu verwässern.
- Zahlen allein machen noch nicht sichtbar: Sie müssen auch zu nachgefragten Themen passen und von einer als vertrauenswürdig eingestuften Marke kommen.
- Es gibt schnellere und sicherere Wege, non-commodity Content zu veröffentlichen: zum Beispiel eine nadelspitze Themenauswahl, tiefgehende Experteninterviews oder das Teilen von begründeten Meinungen.
Inhaltsverzeichnis
Was ist „non-commodity Content” eigentlich genau?
“Non-commodity” heißt übersetzt so viel wie “keine Massenware”. Es geht darum, einzigartige Inhalte zu schaffen, die es so noch nicht gibt und die Menschen helfen, ein Problem zu lösen, eine Frage zu klären oder eine Entscheidung zu treffen.
Konkret bedeutet das: Mit allgemeinen, oberflächlichen Inhalten wirst Du in Sachen SEO keinen Blumentopf mehr gewinnen. Es braucht Deine tiefe Expertise, Deine Erfahrungen, Antworten für spezifische Fragen und Herausforderungen und, wenn vorhanden, eigene Daten zu Deinem Themenbereich.
Warum ich den Ansatz, Umfragen für non-commodity Content zu nutzen, problematisch finde
Der Punkt “eigene Daten” ist es, über den wir hier heute sprechen. Dieser Tipp wird in SEO- und GEO-Richtlinien so dahin gesagt – aber woher sollen die kommen? Es gibt Unternehmen, die bereits seit Jahren regelmäßig Studien und Branchenuntersuchungen veröffentlichen und nun fein raus sind. Für die meisten Selbstständigen aber sieht diese Aufgabe unlösbar aus.
Für sie gibt es dann Motivationssprüche wie “Die Daten sind schon in Deinem Business – Du musst sie nur bergen!”, die in dem konkreten Tipp münden, entweder qualitative Interviews mit Mitarbeitenden zu führen oder eine Umfrage unter den eigenen Kund:innen und Follower:innen zu starten. Die Ergebnisse könnten dann in einem Blogartikel, einem PDF oder einem YouTube-Video vorgestellt werden. Zack, frische Daten! Zack, Sichtbarkeit!
Ich gebe zu: Aus SEO-Sicht klingt das im ersten Moment verheißungsvoll. Aber schon im zweiten Moment glaube ich nicht mehr daran, dass dieses Vorgehen Dir endlich die ersehnte Sichtbarkeit bringen wird. Im Gegenteil: Ich halte es sogar für gefährlich. Das sind die Gründe:
1. Es fehlen wissenschaftliche Standards
Nicht alle Zahlen haben Aussagekraft. Bestenfalls sind sie nach wissenschaftlichen Standards erhoben und ausgewertet worden.
Qualitative vs. quantitative Studiendesigns, Repräsentativität, Reliabilität, Reproduzierbarkeit, saubere Frageformulierung, Pretesting, Codebücher zur Auswertung, Korrelation vs. Kausalität, statistische Signifikanz (p < 0,05), Peer Reviews … Zu solchen Dingen habe ich im Studium ein ganzes Semester lang Vorlesungen und Seminare besucht und im Anschluss hätte ich nur zum Thema Empirie noch einen zweijährigen Master dranhängen können.
Was ich damit sagen will: Es gibt eine Menge zu wissen, damit eine Umfrage wirklich aussagekräftig ist.
Dieses Wissen haben nicht alle. Genau genommen haben es die wenigsten.
Traust Du Dir zu, eine Umfrage so zu konzipieren, durchzuführen und auszuwerten, dass sie wissenschaftlich haltbar ist? Ich nämlich ehrlich gesagt nicht, trotz meines Studiums (jedenfalls nicht ohne gründliche (= zeitaufwändige) Einarbeitung vorab).
2. Viele Selbstständige haben nicht genügend Reichweite
Von den ganzen wissenschaftlichen Methoden mal abgesehen, braucht eine Umfrage auch eine gewisse Grundmenge an Antworten. Tough Love: Viele Selbstständige haben einfach nicht genügend Reichweite, um die zusammenzukratzen. Deine Umfrage ist dann nicht mehr als ein kurzer, subjektiver Einblick ins Thema. Auch hier haben die Erkenntnisse also wenig bis keine Aussagekraft für die Allgemeinheit.
3. Die Zahlen könnten falsch interpretiert werden
Okay, sagen wir mal, die oben genannten Problematiken sind uns bewusst und wir ordnen sie ganz transparent ein. Wir schreiben: “Hey Leute, ich habe eine Umfrage gemacht und möchte die Ergebnisse gern mit euch teilen. Sie sind aber nicht repräsentativ, also mit Vorsicht zu genießen!”
Dann ist das Ansinnen löblich und trotzdem kann es Menschen geben, die den Hinweis nicht lesen oder verstehen (weil sie zum Beispiel nie gelernt haben, wie wissenschaftliches Arbeiten funktioniert) und die unsere “Ergebnisse” für bare Münze nehmen.
Womöglich wird das auch KI tun. Es ist ja kein Geheimnis, dass KI in der Vergangenheit nicht immer sauber mit Quellen gearbeitet hat.
Es ist also denkbar, dass jemand Claude fragt: “Wie viele Frauen fühlen sich eigentlich gestresst auf Arbeit?” und die KI Deine Zahlen ausspuckt. Zum Beispiel “80 %”. Aber ohne den Kontext zu geben, dass überhaupt nur zehn Frauen an der Umfrage teilgenommen haben und die 80 % dementsprechend auf den Antworten von nur acht Personen beruhen.
Nun könntest Du argumentieren, dass unsere Verantwortung an der Stelle endet. Wir haben ja immerhin einen transparenten Vermerk dazugeschrieben. Wer KI nutzt, muss Zahlen selbst nachprüfen!
Und ja: Das sehe ich grundsätzlich auch so. Aber seien wir ehrlich: Wie viele Menschen kontrollieren wirklich, was die KI ihnen ausspuckt?
In meiner Zeit als Journalistin habe ich unheimlich oft gesehen, wie sorglos mit Studien umgegangen wird, wie wenig Methodiken hinterfragt und wie schnell fragwürdige Zahlen weiterverbreitet werden. Das war schon vor der KI-Ära so und ich bezweifle, dass es mit KI besser wird.
Je nach Thema kann das gefährlich werden, weil sich eine Flut von halbgaren Informationen ausbreitet. Das führt mich direkt zum nächsten Punkt:
4. Wir machen uns selbst das Internet kaputt
Das Internet hat sich im Laufe der Jahre zu einem gigantischen Nachschlagewerk entwickelt, in dem alle mit Zugang sich frei informieren können. Es schafft somit Möglichkeiten für Bildung und Teilhabe, die früher nicht existiert haben.
Wenn wir nun alle anfangen, “Fakten” zu verbreiten, die nicht ausreichend belegt sind, machen wir uns dieses Nachschlagewerk kaputt. Mit der Zeit wird es immer schwieriger zu unterscheiden, welche Informationen wirklich stimmen. Was hat Substanz und was nicht?
5. Eigene Zahlen machen nicht automatisch sichtbar
Mit diesem Punkt komme ich wieder auf das Thema SEO zurück. Denn deshalb gibt es den Umfragen-Tipp ja überhaupt: Weil Du damit angeblich besser bei Google und in KI-Systemen gefunden wirst.
Und ja: Suchmaschinen und KI schätzen frische Zahlen tatsächlich. Aber damit daraus Reichweite für Dich entsteht, müssen die gelieferten Fakten auch zu einem Thema passen, nach dem aktiv gesucht wird. Du solltest vor der Umfrage also unbedingt eine Keyword-Recherche machen.
Hinzu kommt, dass Suchmaschinen und KI nicht wahllos alles teilen. Sie prüfen immer nach den sogenannten EEAT-Faktoren: Expertise, Experience, Authoritativeness, Trust.
Expertise und Erfahrung lieferst Du mit Deinem Content. Autorität und Vertrauen musst Du Dir als Marke kontinuierlich aufbauen. Umfragen als Futter für non-commodity Content sind also eher etwas für Fortgeschrittene, die bereits ein Standing in ihrem Bereich haben.
Was können wir sonst tun, um non-commodity Content zu schaffen?
Einzigartiges Wissen, das es noch nicht überall gibt, muss nicht unbedingt auf Zahlen beruhen. Du kannst auch:
Qualitative Interviews mit Tiefgang führen
Lade eine Person in Deinen Blog oder Podcast ein, die Deine Expertise ergänzt. In meinem Fall könnte das zum Beispiel eine Webdesignerin sein, die sich auf umweltschonende Websites spezialisiert hat.
Frage dieser Person hemmungslos Löcher in den Bauch. Versetze Dich dabei in Deine Kund:innen hinein: Was könnte sie interessieren? Welche Zweifel könnten sie haben? Über welche Fallstricke und typischen Fehler könnten sie stolpern?
Channele Deine innere Journalistin! 😃
Im Beispiel der Webdesignerin mit Spezialisierung auf umweltschonende Websites könnte ich zum Beispiel fragen:
- Jetzt mal ganz ehrlich: Wie viel bringt es der Umwelt, wenn ich mit meiner Website weniger CO2 ausstoße? Ist der Unterschied echt so groß?
- Es fühlt sich blöd an, wenn nur ich mir über dieses Thema Gedanken mache. Wie könnten wir andere dazu motivieren, ihre Websites auch umweltfreundlicher zu machen?
- Du sagst, der Hoster spielt eine große Rolle. Umweltfreundliche Hoster kosten aber oft auch mehr. Was, wenn ich mir das nicht leisten kann?
Weglassen würde ich dafür allgemeine Fragen, die unabhängig vom Thema allen gestellt werden könnten. Zum Beispiel:
❌ Willst Du Dich zu Beginn erstmal kurz vorstellen?
❌ Wie bist Du zu Deinem Thema gekommen?
❌ Was ist denn eigentlich XY? (Definitionen braucht’s in Interviews nur, wenn es um was ganz Ungewöhnliches geht.)
Konkrete Fragestellungen aus dem echten Leben aufgreifen
Ähnlich wie im Interviewbeispiel solltest Du auch generell mit Deinem Content in die Tiefe gehen. “Was ist Selbstliebe?” oder “So kommst Du in Deine Balance” locken niemanden mehr hinter dem Ofen vor, weil es schon Millionen von Beiträgen dazu gibt.
Schreib bzw. sprich lieber über echte Fragen, die Deine Kund:innen Dir stellen und Herausforderungen, bei denen Du mit Deiner Arbeit hilfst. Ich gebe Dir ein Beispiel aus meinem eigenen Themengebiet, weil ich dort natürlich die meisten Einblicke habe:
❌ Was ist SEO?
❌ Wie finde ich Keywords?
❌ Weiterleitungen einrichten mit WordPress
Besser wäre:
- Braucht es SEO überhaupt noch, wo doch jetzt so viele KI nutzen?
- Was mache ich, wenn alle Keywords nur ein kleines Suchvolumen haben?
- Ich habe einen deutschen Blog, auf dem aber auch englische Artikel stehen. Die möchte ich jetzt auf eine neue Domain umziehen. Soll ich besser eine 301- oder eine 410-Weiterleitung machen?
Alle drei Fragen wurden mir real von Kund:innen gestellt. Merkst Du den Unterschied zu den allgemeinen Themendrehs?
(An der Stelle sei auch angemerkt, dass Keywords zunehmend an Bedeutung verlieren. Ein konkretes Thema ist meist besser für Deine Sichtbarkeit als eins mit hohem Suchvolumen.)
Übrigens:
Eine spezifische Themensetzung verschafft Dir nicht nur bessere Ranking-Chancen. Sie macht auch deutlich, dass Du die echten Herausforderungen Deiner Kund:innen verstehst, ohne dass sie Dir erst viel erklären müssen. Deine Beiträge entwickeln so viel mehr Sog, weil sie zeigen: Bei Dir bin ich mit meiner Frage genau richtig.
Möglicherweise sagst Du jetzt: “Aber Jane, wenn ich dieses Wissen in meinem Content teile, dann bucht doch niemand mehr bei mir!”
Das höre ich oft, aber nach meiner Erfahrung ist das ein nicht haltbarer Mythos. Hör dazu gern mal in Folge 26 meines Podcasts “SEO to go” rein:
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Echte Erfahrungen und Fallbeispiele in Deinen Content einbinden
Oben habe ich schon mal die EEAT-Faktoren erwähnt. Das zweite E steht für Erfahrung und genau die darf in Deine Inhalte einfließen.
Du kannst zum Beispiel erzählen, wie Du selbst ein Problem gelöst hast, welche Tools, Methoden und Übungen Dir helfen oder welche hilfreichen Beobachtungen Du in Deinem Arbeitsalltag machst.
Eine weitere Möglichkeit sind Fallstudien von Deinen Kund:innen:
- Mit welcher Herausforderung sind sie zu Dir gekommen?
- Was habt ihr dann gemacht?
- Welche Hürden gab es vielleicht auf dem Weg noch und wie habt ihr sie umschifft?
- Was war am Ende das Ergebnis?
Fallstudien kannst Du (auch anonymisiert) als eigenständige Beiträge veröffentlichen oder als Teil von klassischen, eher fachlich-informativen Beiträgen. Meine Kundin Jennifer Thran macht das in ihrem Blog zum Beispiel regelmäßig so.
Haltung zu aktuellen Themen und Fragen in Deinem Bereich zeigen
Starke Meinungen (natürlich begründet!) funktionieren im Marketing oft generell sehr gut, denn sie lösen Reaktionen und Diskussionen aus und das mögen die Algorithmen.
Schau als Beispiel auf diesen Beitrag: Ich vertrete darin eine deutliche Haltung. Manche Menschen werden sie teilen, andere nicht – aber sie ist auf jeden Fall “non-commodity” und sticht aus dem Dunst immergleicher glattgebügelter KI-Inhalte heraus. So macht sie mich als Marke greifbarer – sowohl für Menschen, als auch für Suchmaschinen und KI.
Du bist unsicher, wie Du Deinen Content genau aufziehen sollst, damit er gefunden wird?
Welche Themen spezifisch genug sind, wie Fallbeispiele dazu passen, wie Du Deine Haltung am besten rüberbringen sollst?
Dann komm gern in meinen Kurs, die SEO-Schatzkarte, stell mir all Deine Fragen und hol Dir unbegrenzt Feedback! Anfang Oktober öffnen wir die Türen noch einmal für wenige Tage. Allerdings ohne großen Launch, nur für die Warteliste. Wenn Du das nicht verpassen willst, kannst Du hier noch flink mit auf die Warteliste hüpfen!
Fazit: Lieber Haltung und konkrete Fallbeispiele als Umfragen
Ich glaube, als Selbstständige wollen wir alle gern gefunden werden. Gleichzeitig verändert sich durch KI derzeit so vieles so rasant, dass enorm viel Unsicherheit entsteht. Ein klar umrissener, machbar wirkender Tipp wie “Erstelle eine Umfrage und veröffentliche die Ergebnisse, dann wirst Du in der KI-Suche empfohlen!” wirkt da sehr verheißungsvoll.
Und in der Tat können Umfragen ein Weg sein, neue Daten zu erheben und die eigenen Inhalte attraktiver zu machen. Ich sage nicht, dass Du das nicht machen darfst oder sollst. Aber ich möchte gern dafür plädieren, dass wir alle uns der Verantwortung bewusst werden, die damit einhergeht. Das, was wir veröffentlichen, hat Gewicht und kann Einfluss auf echte Leben haben.
Eine Umfrage stiftet dann Nutzen, wenn sie sorgsam – bestenfalls nach wissenschaftlichen Standards – konzipiert, durchgeführt und ausgewertet wurde. Ansonsten haben die Zahlen wenig bis keine Aussagekraft.
Wenn Dir das Wissen über gute Umfragen fehlt oder Du vielleicht auch einfach noch zu wenig Reichweite hast, um genügend Teilnehmer:innen zu finden, dann ist es für den Einstieg leichter, über spezifische Fragen Deiner Kund:innen zu schreiben, aktuelle Trends in Deiner Branche einzuordnen und Haltung zu für Dich wichtigen Themen zu beziehen.

Jane von Klee
ist SEO-Fachfrau, Werbetexterin und Content-Strategin. Sie unterstützt Selbstständige dabei, online sichtbar zu werden, mit ihren Botschaften und Angeboten mutig Raum einzunehmen und zu verkaufen, ohne dabei schmierig oder marktschreierisch zu sein. Janes Strategien sind speziell auf Selbstständige zugeschnitten: effizient und zeitsparend, mit Fokus auf Empathie und Menschlichkeit.


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